it der Vergabe des Europapokals der Landesmeister nach Vaduz (FL) kehrte das wichtigste europäische Turnier für Vereinsmannschaften nach 26 Jahren Abstinenz wieder an den Ort seines Ursprungs zurück - bereits zwischen 1962 und 1983 wurde dieser Event insgesamt 20 Mal in der Liechtensteiner Hauptstadt ausgetragen und dabei übrigens vom MC Siegen mit 6 Titelgewinnen dominiert. Aber die alte Anlage ist bereits lange Geschichte und seit 1997 durch eine neu erbaute ersetzt. Auch ein luxuriöses Clubhaus ist rechtzeitig zum EC entstanden. Beste Voraussetzungen also, für eine optimale Ausrichtung dieses Europäischen Minigolf-Highlights.
Die Vorfreude auf Vaduz ist berechtigt. Das kleine, rund 5000 Einwohner zählende Städtchen, liegt idyllisch im Rheintal zwischen Österreich und der Schweiz und ist eingerahmt von einem beeindruckenden Alpenpanorama. Wer die Anlage das erste Mal erblickt wird sicherlich begeistert sein. Alles wirkt akkurat, gepflegt und perfekt zu spielen. Verwunderlich daher Aussagen wie "Planierraupe" oder "Dampfhammer". während der ersten Trainingseinheiten im Juli. Das Problem: Der Beton ist nach dem Guss nicht optimal verstrichen worden und musste anschließend nachgeschliffen werden. Statt eines eindeutigen Gefälles existieren so häufig schnell wechselnde Spuren und Wellen. Auch bei absolut perfektem Spiel und Ballmaterial spielt so immer auch der Faktor Glück eine nicht unwesentliche Rolle. Einzig Bahn 8, 9, 11 und 18 erschließen sich schnell. Die Hindernis-Bahnen 3, 4, 15 und 16 bleiben optimierbare Willkür. Die Top-Ass-Bahnen 14 und 17 sind trotzdem diffizil. Die restlichen Aufgaben dürften diversen Spielern einige graue Haare beschert haben.
Besonders spannend Bahn 7: Der größte Teil des Endkreises weist nur minimales und sporadisches Gefälle zum Loch auf und nur im Bereich von 1m um das Loch kann man eigentlich von einem leichten Trichter sprechen. Historisch gewachsen flogen dementsprechend Steine und schnelle Rohlinge in den Endkreis, die sich entweder im Außenbereich totliefen, aus dem Kreis sprangen und mit einer hohen Fehlerquote behaftet gelocht werden mussten. Dabei ist die Bahn extrem einfach und assig: Einfach einen toten Kullerball, z.B. Mini links in den Kreis, dann ins Netz heben, nach rechts rund gegen die Bande laufen lassen und der Ball rollt von dort unweigerlich in den optimalen Trichterbereich. Immer wieder überraschend, dass auch absolute Spitzenspieler immer noch nicht in der Lage zu sein scheinen, einen Ball ordentlich über einen Weitschlag zu transportieren - die Bahn sogar zum Hindernis küren.
Noch ein weiteres Beispiel sei gestattet: Wann findet man schon eine 2, die bei allem Material- und Trainingaufwand am Ende völlig unsteuerbar bleibt? Die Plattenvarianten sind unkonstant und fehlerträchtig - scheiden somit aus. Dafür gibt es eine hervorragende Geradeausspur. Die führt den Ball dann aber nur ordentlich zwischen den Platten hindurch und egal ob mit der Schnellballvariante oder mit totem Material - am Ende bleibt ein Ass pures Glück und nach erfolgreichen Serien kann man einen Tag locker auch ohne die "1" auf dem Protokoll beenden.
Wie bereits angeklungen, hatte das Hardenberger Team schon sehr früh mit dem Training für den EC begonnen, mehrere freie Wochenenden genutzt - zwei Spieler nahmen zusätzlich die Möglichkeit einer ersten Turniersimulation beim Vaduzer Marathon wahr. Dementsprechend war die Anlage zum Zeitpunkt der Anreise faktisch fertig austrainiert und an den beiden offenen Trainingstagen konnte man sich voll auf die Ball- und Spurverifikation konzentrieren - ein großer Vorteil gegenüber der skandinavischen Konkurrenz, die die Anlage noch völlig ohne Plan betreten musste. So kam es während der Trainingsrunden wie es kommen musste: Hätte man Eintritt verlangen können, wäre die Vaduzmaßnahme sicherlich finanziert gewesen - es bildeten sich wahre Trauben von "Zuschauern", die ihre eigenen Defizite mit simpeler Abguckerei auf einfache Art eliminieren wollten. Die Konkurrenz aus Uppsala war sich nicht einmal zu fein, eine komplette Runde des Deutschen Titelträgers mitzuprotokollieren. Egal! Die Meister der Plagiate kommen aus China und nicht aus Schweden.
Die Hardenberger traten zum Turnier mit der identischen Aufstellung des letzten Bundesligaspieltags an - U. Ludwig überzeugte bereits im Training und zeigte auf, wie tief man auf dieser Anlage spielen konnte. Bei ungefährer Reproduktion der Trainingsleistungen (170 -) sollte man die Nase vor der Konkurrenz haben. Mit einer Startrunde von 170 und in Runde 2 174 Schlägen lag man dann auch wie erwartet vorne. Und auch wenn die Leistungsgrenzen noch nicht optimal ausgespielt wurden, lag man mit 7 Schlägen vor dem Überraschungszweiten aus Vergiate (I). 3 Runden standen an diesem ersten Tag auf dem Programm: Bei einem Rekordteilnehmerfeld eigentlich nicht zu schaffen und so wurde bereits im Vorfeld entschieden, um 19:15 Uhr abzubrechen und Runde 3 am Folgetag zu beenden. Eigentlich eine klare Ansage. Aber was kann man in den Bergen und bei Bewölkung zu dieser Uhrzeit wirklich noch sehen?
Die letzte ½ Stunde wurde zur Farce: Bei zunehmend schlechtem Licht und völlig aus dem Ruder laufendem Lautstärkepegel wirkte das Schiedsgericht desorientiert und überfordert. In Abänderung des Bekannten, sollte jetzt auch nach 19:15 bis zu festgelegten Bahnen weitergespielt werden - nur vergaß man leider, wirklich alle Spieler darüber zu informieren. So endete der Tag mit zwei unnötigen Fehlern der Hardenberger Nummer Zwei, aber auch mit dem neuen Bahnrekord von 23 Schlägen durch T. Greiffendorf, der als Startspieler seine Runde beenden konnte. Eigentlich musste man am nächsten Tag den Sack nur noch zumachen…
Trotz Ludwigs fertig gespielter 30 standen nach 3 Spielern dann auch 79 Schläge auf der Tafel. Was würden die letzten Drei für ein tiefes Ergebnis beisteuern können? Leider verpasste man zu diesem Zeitpunkt die frühzeitige Vorentscheidung: Vor allem die beiden Erlbruch Brüder, eigentlich Garanten für tiefgrüne Ergebnisse fanden nicht zu ihrem Spiel und nach ihrem 34er bzw. 32er Score blieb die erhoffte Superrunde aus - wieder nur 171.
Die beiden kompletten Tagesrunden absolvierte die Mannschaft anschließend souverän. Zwar reichte es in beiden Durchgängen erneut nicht für das Hammerergebnis - mit 169er und 171er Runden konnte man sich trotzdem deutlich absetzen, da sowohl Vergiate (181, 182), als auch Uppsala (179, 181) nicht mithalten konnten. Dafür zeigte jetzt das 2. Schwedische Team, Joenkoeping, ansteigende Form - eigentlich hatten diese lediglich die Auftaktrunde des ersten Tages verpatzt (187) und punkteten jetzt mit gleichmäßigem Spiel.
Am Ende des 2. Turniertages hatte Hardenberg mit 25 Schlägen Vorsprung bereits die Hand am Pokal. Für das Finale hieß es jetzt nur, die Ruhe und Konzentration zu bewahren. Auf den folgenden Plätzen ging es dafür umso enger zur Sache.
Der Finaltag startete mit einem Paukenschlag: Durch den deutlichen Vorsprung sichtlich entspannt und gelöst, spielte die Company endlich ihr Spiel - 26, 23, 29, 25, 26, 28! Fertig war die 157er Superrunde inkl. erneutem Bahnenrekord diesmal durch U. Ludwig. Ungläubiges Erstaunen und Respekt von allen Seiten - niemand hatte solch eine Leistung in Vaduz für möglich gehalten. Der letzte Durchgang glich für das Team bereits einer kleinen Ehrenrunde und im Freudentaumel reichte es nochmals für ein Topergebnis - 162. Am Ende gewann der Deutsche Meister mehr als verdient mit 48 Schlägen Vorsprung auf Joenkoepping. Vorjahressieger Uppsala konnte sich letztendlich noch auf den dritten Platz retten.
Für eine Überraschung sorgte das Schweizer Damen-Team aus Effretikon. Weder die Titelverteidigerinnen aus Uppsala, noch der Deutsche Damenmeister aus Mainz hatten gegen die entfesselt aufspielenden Schweizerinnen eine Chance, bei denen Rebecca Webber mit 197 Schlägen das 7.-beste Ergebnis aller Teilnehmer erzielte. Immerhin konnten sich die Mainzerinnen, dank einer deutlichen Leistungssteigerung, am Ende noch die Silber-Medaille sichern.
Natürlich bleibt einem ein gewonnener Europapokal besonders positiv in Erinnerung. Aber gerade dann darf nicht vergessen werden, mit welcher Hingabe und Aufopferung die Mitglieder und Helfer des Liechtensteiner Verbandes für den reibungslosen Verlauf des EC 2009 gesorgt haben. Stellvertretend für alle Helfer der Dank an Fritz, den wildesten Starter aller Zeiten und Manuela Bamert, die als Schweizerin die Liechtensteiner eine Woche bei der Organisation unterstützt hat.
(Un)sportlich:
Der diesjährige EC geht mit einer neuen Rekordbeteiligung in die Geschichte ein: Es nahmen 9 Damen-Teams und 13 Herren-Teams mit zusammen 122 Aktiven teil!
War es unglückliche Notwendigkeit, Dilettantismus oder beabsichtigte Schikane, dass in der deutschen Trainingsgruppe eine Herren- und eine Damenmannschaft (11 Spieler) mehr als in der schwedischen Gruppe eingeteilt waren?
In der Sitzung von Schiedsgericht und Coaches wurde auf die explizite Ahndung von Kettenrufen hingewiesen - klar und OK. Wenn dann allerdings M. Koziol ein Teamfoul mit der Begründung "Aufforderung zum Kettenruf" erhält. Er soll sich beim Assschrei provokativ gedreht haben. Man auf Intervention meint, sonst könne man es ja auch als persönliches "Behaviour" bewerten und mit der "Time" passe es ja auch nicht immer, kriegt man den Gedanken an einen türkischen Basar nicht aus dem Kopf.
Ein ganz besonderer Dank geht an unsere Coaches und Betreuer: Headcoach R. Ludwig für Support und Koordination auf der Anlage. M. Becker und M. Reiche für ABSOLUT perfekt präpariertes Ballmaterial und Y. Erlbruch für 8 Tage gastronomischer Meisterleistungen.
Und noch ein Dankeschön: Für die tolle Zusammenarbeit mit dem Mainzer Damen-Team und deren Coaches. Der Mini und die Schlagzeilen waren eine Bombe!
Schön, wenn man nach einer Woche Minigolf gefragt wird, an welchem Urlaubsort man sich im Oktober die kräftige Bräune geholt halt. Bei 6 Tagen Sonne und einem Quartier auf 1400m Höhe - kein Problem!
Danke auch an Stefan Reisinger und Frau Baumer, die dem Team in einer Blitzaktion den besten Ball für die 14 lackiert hat.